Entstehungsgeschichte
Die Grüne Zitadelle verdankt ihre Existenz einer glücklichen Begegnung: Im Jahr 1998 besuchte der österreichisch-neuseeländische Künstler und Architekt Friedensreich Hundertwasser Magdeburg und war begeistert von der Stadt. Der damalige Oberbürgermeister Willi Polte bat ihn, ein Gebäude für die Innenstadt zu entwerfen – Hundertwasser sagte zu und entwarf noch im gleichen Jahr die Pläne für das Gebäude am Breiten Weg.
Hundertwasser starb im Februar 2000 auf einer Reise an Bord der Queen Elizabeth 2, bevor er sein Werk fertiggestellt sehen konnte. Die Bauarbeiten liefen jedoch weiter nach seinen hinterlassenen Plänen und Modellen. Am 3. Oktober 2005 – dem Tag der Deutschen Einheit – wurde die Grüne Zitadelle offiziell eröffnet. Sie ist damit Hundertwassers letztes vollendetes Architekturprojekt überhaupt.
Der Name „Grüne Zitadelle" geht auf Hundertwasser selbst zurück: Er verstand das Gebäude als eine Art Festung – nicht gegen Feinde, sondern als Schutzraum für die Natur inmitten der Stadt. Das Grün auf dem Dach und das üppige Bewachsen der Fassaden sollten verdeutlichen, dass Natur und Architektur keine Gegensätze sein müssen.
Architektur & Design
Wer die Grüne Zitadelle zum ersten Mal sieht, bleibt unweigerlich stehen: Das pinke Terrakottarot der Fassade, die goldenen und silbrigen Kuppeln und Türme, die unregelmäßigen Fensterlöcher unterschiedlicher Größe, die mit Bäumen bepflanzten Dachgärten – das Gebäude bricht bewusst mit jeder Norm moderner Stadtarchitektur.
Zu den charakteristischen Elementen von Hundertwassers Stil gehören:
- Keine gerade Linie: Hundertwasser lehnte rechte Winkel als „Werkzeug der Unterdrückung" ab – alle Böden, Fensterrahmen und Übergänge sind bewusst uneben und wellenförmig.
- Vegetationsebenen: Bäume wachsen nicht nur auf dem Dach, sondern ragen auch aus Fenstern heraus – Hundertwassers Konzept des „Baummieter-Rechts".
- Goldene Kuppeln: Inspiriert von byzantinischen Kirchen und islamischer Architektur; jede Kuppel ist ein Unikat.
- Mosaike und Keramik: Gesimse, Säulen und Eingangsbereiche sind mit handgefertigten Keramikelementen und Mosaikmustern verziert.
- Unregelmäßige Fenster: Kein Fenster gleicht dem anderen – Hundertwasser sprach vom „Fensterrecht" der Bewohner, ihr eigenes Fenster gestalten zu dürfen.
Das Gebäude belegt eine Fläche von rund 31.000 m² und wurde nach über fünf Jahren Bauzeit fertiggestellt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf ca. 28 Millionen Euro.
Was steckt in der Grünen Zitadelle?
Die Grüne Zitadelle ist keine reine Sehenswürdigkeit – sie ist ein vollständig genutztes Stadtquartier. Im Gebäude befinden sich:
- 55 Wohnungen – Eigentumswohnungen mit unregelmäßigen Grundrissen, hohen Decken und den typischen Hundertwasser-Böden; alle sind vermietet oder im Besitz von Privatpersonen
- Hotel im Gebäude – wer in Hundertwassers Architektur übernachten möchte, hat hier die einmalige Gelegenheit
- Geschäfte und Ateliers im Erdgeschoss entlang der Arkaden – überwiegend Kunsthandwerk, Souvenirs, Designläden
- Café und Restaurant im Innenhof – mit Blick auf die begrünten Innenwände des Gebäudes; ein außergewöhnliches Ambiente für Kaffee oder Mittagessen
- Fitnessstudio und Dienstleister in den oberen Etagen
- Dachgärten – teilweise für Bewohner und bei Führungen zugänglich
Aktuelle Mieter, Öffnungszeiten der Geschäfte und Buchungsmöglichkeiten für das Hotel finden Sie auf gruene-zitadelle.de.
Führungen & Besuchsmöglichkeiten
Der öffentlich zugängliche Bereich der Grünen Zitadelle – Arkaden, Innenhof, Erdgeschoss-Geschäfte und Café – kann kostenlos besichtigt werden. Das Gebäude ist tagsüber offen, ein offizieller Schließzeitpunkt gilt für den Innenhof in der Nacht.
Geführte Touren
Regelmäßige Führungen durch das Gebäude (inklusive Dachgärten und Treppenhäuser) werden angeboten. Die Touren dauern in der Regel etwa 60–75 Minuten und gehen weit über das frei zugängliche Erdgeschoss hinaus. Buchung und aktuelle Termine direkt über das Besucherzentrum der Grünen Zitadelle – Details unter gruene-zitadelle.de.
Tipp für Gruppen: Private Gruppenführungen lassen sich für Schulklassen, Unternehmen und Reisegruppen buchen. Besonders beliebt sind Architektur- und Kunstführungen für Schulen und Universitäten.
Lage & Umgebung
Die Grüne Zitadelle liegt mitten in der Innenstadt Magdeburgs, direkt am Breiten Weg – der zentralen Flaniermeile der Stadt. Von hier aus sind alle wichtigen Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichbar:
- Domplatz und Magdeburger Dom – ca. 10 Gehminuten
- Alter Markt und Magdeburger Reiter – ca. 8 Gehminuten
- Kloster Unser Lieben Frauen (Kunstmuseum) – ca. 12 Gehminuten
- Elbuferpromenade – ca. 15 Gehminuten
- Hauptbahnhof Magdeburg – ca. 15 Gehminuten oder 3 Minuten Straßenbahn
Anfahrt
- Adresse: Breiter Weg 8–9, 39104 Magdeburg
- Straßenbahn: Linien 1, 2, 5, 6, 10 – Haltestelle „Breiter Weg/Hauptpost"
- Parken: Tiefgarage am Breiten Weg (kostenpflichtig); Parkplätze im Stadtzentrum sind begrenzt – ÖPNV oder Fahrrad empfohlen
Besuchstipps
- Außenansicht morgends: Das frühe Morgenlicht taucht die pinke Fassade in warme Töne – ideal für Fotos, und das Gebäude ist noch ruhig.
- Innenhof besuchen: Der Innenhof ist zugänglicher als viele denken – einfach durch das Haupttor gehen. Der Café-Betrieb beginnt morgens.
- Kombination mit Alter Markt: Breiter Weg → Grüne Zitadelle → Alter Markt → Dom – ein klassischer Magdeburg-Rundgang, der ca. 3–4 Stunden dauert.
- Abendbeleuchtung: Die Goldkuppeln werden abends angestrahlt; der Anblick von der Straße aus ist besonders eindrucksvoll.
- Souvenirs: Die Geschäfte im Gebäude führen Hundertwasser-Drucke und -Artikel; qualitativ besser und günstiger als Online-Nachdrucke.
- Für Airbnb-Gäste: Die Grüne Zitadelle liegt in kürzester Entfernung zu allen zentralen Magdeburg-Unterkünften; sie ist bei Städtereisenden der meistfotografierte Ort nach dem Dom.
