Magdeburg Buckau: Hubbrücke, Gruson-Gewächshäuser & Volksbad
Buckau im Süden Magdeburgs vereint Industriegeschichte mit aufblühendem Stadtteilleben: Die einzigartige Hubbrücke über den Elbe-Umflutkanal, die tropischen Gruson-Gewächshäuser, das Volksbad und das Puppentheater – ein Viertel im Wandel.
Von der Redaktion GENO Group · Veröffentlicht am 9. Juni 2026 · ca. 11 Minuten Lesezeit
Buckau ist Magdeburgs am stärksten transformierter Stadtteil der letzten Dekade. Einst Industriebezirk mit Maschinenbauwerken und Kaianlagen, entwickelt sich das Viertel zu einem lebendigen Quartier mit Kulturadressen, denkmalgeschützten Bauten und neuem Wohnraum am Wasser.
Charakter des Stadtteils
Buckau liegt südlich des Stadtzentrums, zwischen dem Südabschnitt der Elbe und dem Elbe-Umflutkanal. Die besondere Lage auf einer Halbinsel – umgeben von Elbarmen und Kanalwasser – prägte die Geschichte des Stadtteils als Industriestandort: Maschinenbauwerke, Werften und Kaianlagen siedelten sich hier an, weil das Wasser Transportwege bot.
Nach dem Ende der DDR brachen viele Industriebetriebe weg. Buckau schrumpfte und galt als abgehängter Stadtteil. Seit den 2000er Jahren kehrt sich dieser Trend um: Kulturorte wie das Volksbad Buckau, die Gruson-Gewächshäuser und das Puppentheater ziehen neues Leben in den Süden; Loftwohnungen in Industriegebäuden werden saniert; der Umflutkanal bietet Freizeitwert.
- Hubbrücke: einzigartiges technisches Denkmal über den Elbe-Umflutkanal
- Gruson-Gewächshäuser: tropische Anlage mit botanischen Schätzen
- Volksbad Buckau: denkmalgeschütztes Gründerzeit-Hallenbad mit Kulturbetrieb
- Industriecharme: umgenutzte Fabrikhallen, Lofts und kreative Zwischennutzungen
Hubbrücke Magdeburg – technisches Denkmal
Die Hubbrücke Magdeburg ist eines der markantesten technischen Denkmäler der Stadt. Die Brücke überquert den Elbe-Umflutkanal am südlichen Eingang nach Buckau und gehört zu den wenigen erhaltenen Hubbrücken Deutschlands: eine Brücke, deren Fahrbahnabschnitt senkrecht nach oben gezogen werden kann, um Schiffe passieren zu lassen.
Technik und Geschichte der Hubbrücke
Die Hubbrücke Magdeburg wurde im frühen 20. Jahrhundert erbaut, als der Elbe-Umflutkanal für den Schiffsverkehr genutzt wurde. Die Konstruktion war ingenieurtechnisch wegweisend: Der Brückenabschnitt hängt an zwei mächtigen Stahltürmen und kann hydraulisch angehoben werden, um den Kanal für Schiffe freizugeben.
Heute steht die Hubbrücke unter Denkmalschutz. Sie wird nicht mehr regelmäßig für den Schiffsverkehr genutzt, ist aber ein beliebtes Fotomotiv und Ausflugsziel für Architekturfans und Technikbegeisterte. Die charakteristischen Türme sind von der Elbe aus weithin sichtbar und gelten als Wahrzeichen Buckaus.
Hubbrücke und Elbe-Umflutkanal
Der Elbe-Umflutkanal, den die Hubbrücke überquert, ist selbst ein technisches Großprojekt des 19. Jahrhunderts: ein künstlicher Kanal, der als Hochwasserentlastung der Elbe angelegt wurde und Buckau zur Halbinsel macht. Der Kanal ist heute ein wichtiges Naherholungsgebiet – Radfahrer nutzen die Kanalwege, Angler haben hier ihre Stände, und in Sommern mit niedrigem Wasserstand bieten sich Sandstrände am Kanalufer an.
Gruson-Gewächshäuser
Die Gruson-Gewächshäuser in Buckau gehören zu den eindrucksvollsten botanischen Anlagen Mitteldeutschlands. Die Glaspaläste aus dem 19. Jahrhundert beherbergen eine tropische Pflanzenwelt, die mitten in Magdeburg an fremde Klimazonen erinnert.
Geschichte und Besonderheit
Die Gewächshäuser gehen auf den Magdeburger Industriellen und Kunstmäzen Hermann Gruson zurück, der im späten 19. Jahrhundert eine umfangreiche Sammlung tropischer Pflanzen anlegte. Nach seinem Tod übernahm die Stadt Magdeburg die Anlage und öffnete sie der Öffentlichkeit – ein frühes Beispiel bürgerschaftlichen Mäzenatentums in der Stadt.
Heute umfassen die Gruson-Gewächshäuser mehrere verbundene Glaspavillons mit unterschiedlichen klimatischen Zonen:
- Tropenhäuser: üppige Vegetation aus Regenwaldzonen mit seltenen Bäumen und Lianen
- Kakteenhaus: Sammlung sukkulent-xerophytischer Pflanzen aus trockenen Klimazonen
- Victoriahaus: heimisch für die riesige Victoriaseerose, die ganzjährig zu sehen ist
- Schmetterlingshaus: saisonal geöffnet, mit lebenden Schmetterlingen in tropischem Ambiente
Die Gewächshäuser sind ein Geheimtipp für kalte Wintertage: Wenn draußen Frost herrscht, bieten sie einen grünen, feuchtwarm-duftenden Rückzugsort. Der Eintritt ist moderat; für Familien mit Kindern lohnt sich besonders das Schmetterlingshaus.
Volksbad Buckau
Das Volksbad Buckau ist eines der schönsten erhaltenen Gründerzeit-Hallenbäder Deutschlands – und in Magdeburg ein Kultort. Das 1910 eingeweihte Schwimmbad war ursprünglich als Volksbad konzipiert: eine öffentliche Badeanlage für Arbeiterfamilien in Zeiten, als Badezimmer in Wohnungen noch selten waren.
Architektur und Geschichte
Das Gebäude ist ein Meisterstück wilhelminischer Badehaus-Architektur: Bogengewölbe über dem Schwimmbecken, Ornamentfliesen, ornamentale Verglasung und eine Fassade mit historistischen Details. Das Bad überstand den Zweiten Weltkrieg und blieb bis in die DDR-Zeit in Betrieb, bevor es in den 1990er Jahren schloss.
Nach einer umfangreichen Sanierung wurde das Volksbad Buckau als Kulturgasthaus wiedereröffnet. Heute finden im denkmalgeschützten Gebäude Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Veranstaltungen statt – das Schwimmbecken dient gelegentlich als ungewöhnliche Bühne. Das Volksbad ist eines der ikonischsten Beispiele für die kreative Umnutzung industriezeitlicher Bausubstanz in Magdeburg.
Industriegeschichte Buckaus
Buckau war über mehr als 150 Jahre das industrielle Herz Magdeburgs. Hier standen einige der wichtigsten Maschinenbauunternehmen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts:
Historische Industriebetriebe
- Sack & Kiesselbach: einer der führenden Maschinenbaukonzerne Deutschlands, in Buckau beheimatet
- Schiffswerft: am Elbufer wurden Schiffe gebaut und repariert; der Hafen Buckau war ein wichtiger Knotenpunkt
- Zuckerraffinerie: die Magdeburger Zuckerindustrie – eine der wichtigsten Deutschlands im 19. Jahrhundert – hatte Verbindungen nach Buckau
Industriekultur heute
Die Gebäude der ehemaligen Industriebetriebe werden zunehmend umgenutzt. Loftwohnungen, Ateliers, kreative Gewerbeflächen und Gastronomie ziehen in die alten Fabrikhallen ein. Das Ergebnis ist eine wachsende Kreativszene, die den Industriecharme erhält und mit neuem Leben füllt. Buckau ist damit auf dem Weg, ähnliche Entwicklungen wie die Neustadt oder die Buckauer Elbinsel zu nehmen – allerdings mit einer spezifischeren, industriegeschichtlichen Identität.
Wer mehr über Magdeburgs Industriegeschichte erfahren möchte, sei auf das Kulturportal der Stadt Magdeburg verwiesen, das regelmäßig Stadtführungen und Ausstellungen zu industriehistorischen Themen anbietet.
Puppentheater Magdeburg
Das Puppentheater Magdeburg in Buckau ist eine der bedeutendsten Puppenbühnen in Deutschland und seit Jahrzehnten eine feste Adresse für Familien mit Kindern aus der gesamten Region. Das Theater bespielt ein beeindruckendes Repertoire von Klassikern bis zu zeitgenössischen Stücken – nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.
Das Theater zeigt jährlich zahlreiche Premieren und hat sich über die Grenzen Magdeburgs hinaus einen Namen gemacht: Gastspiele führen die Ensembles auf Festivals in ganz Deutschland und Europa. Das Puppentheater Magdeburg ist ein Kulturgut der Stadt – und ein weiterer Grund, warum Buckau mehr als nur ein Durchgangsviertel ist.
Anreise & Orientierung
Mit der Straßenbahn
Die Straßenbahnlinie 10 fährt von der Innenstadt (Haltestelle Ernst-Reuter-Allee oder Hauptbahnhof) nach Buckau. Die Fahrt dauert ca. 12–18 Minuten.
Mit dem Fahrrad
Buckau ist per Rad gut erreichbar. Vom Klosterbergegarten in Sudenburg aus folgt man dem Fahrradweg Richtung Süden; vom Elberadweg aus erreicht man Buckau über die Buckauer Elbfähre oder die Straßenbahnbrücke. Der Elbe-Umflutkanal bietet schöne Radwege.
Mit dem Auto
Über die B1 (Berliner Chaussee) oder die Ernst-Reuter-Allee nach Süden. Parkplätze gibt es im Bereich der Gruson-Gewächshäuser und des Volksbads.
Hubbrücke: Fußweg ab Haltestelle
Von der Straßenbahnhaltestelle „Buckau" ist die Hubbrücke in ca. 8 Minuten zu Fuß erreichbar. Der Weg führt über den Umflutkanal-Deich; Hinweisschilder zur Hubbrücke sind vor Ort vorhanden.
Eigentum in Buckau
Buckau ist ein Stadtteil im Wandel – was für Immobilieneigentümer besondere Chancen und Herausforderungen bedeutet. Der Bestand ist gemischt: Gründerzeitaltbauten, DDR-Plattenbau und umgenutzte Industriegebäude existieren nebeneinander. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt, das Preisniveau liegt noch moderat unter dem Altstadtbereich.
Für Eigentümergemeinschaften in Buckau gilt: Die Mischung aus historischer Bausubstanz und aktivem Wandlungsprozess macht professionelle Verwaltung wichtiger denn je. Fragen der Instandhaltung, der Wertsteigerung durch Sanierung und der Mieterstruktur stellen sich hier mit besonderer Dringlichkeit.
Lesen Sie auch unsere Artikel zum Hausgeld und zur Instandhaltungsrücklage – zwei Kernthemen für WEG-Eigentümer in Stadtteilen im Wandel wie Buckau.
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